Demographie

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Demographie ist dem Begriff nach »Volks-« oder »Bevölkerungslehre« und befaßt sich mit der Entwicklung, vor allem der statistisch erfaßbaren, der Volkszahl. Dabei konstatiert die Demographie seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert nicht nur Sachverhalte, sondern macht auch Vorgaben im Hinblick auf Sollenszustände, etwa der Einwohnermenge überhaupt, deren regionaler Verteilung, des Aufbaus der »Alterspyramide«, der Wünschbarkeit oder Nichtwünschbarkeit von Einwanderung oder Auswanderung.

Die große Aufmerksamkeit für Fragen, die mit der Demographie zusammenhängen, erklärt sich vor allem aus dem sprunghaften Bevölkerungswachstum Europas seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts und den infolge der Industriellen Revolution dramatischen Wanderungsbewegungen. Außerdem spielte für das Militär der Aspekt der Rekrutierungsstärken von Wehrpflichtigenheeren zunehmend eine Rolle, und es kamen Erwägungen zur Volksgesundheit hinzu. Der moderne Staat sah sich gedrängt, Erkenntnisse und Prognosen der Demographie zu berücksichtigen und eine Bevölkerungspolitik zu treiben, die deutlich über das Maß hinausging, das seit jeher für den Bestand oder den Ausbau seiner Ordnung wichtig war.

»Auf dem ethnischen Gebiet ist es angemessen, den Zustrom der Mediterranen und Orientalen zu begrenzen, die seit einem halben Jahrhundert die Zusammensetzung des französischen Volkes massiv verändert haben. Ohne so weit zu gehen wie die Vereinigten Staaten mit einem rigiden Quotensystem, ist es wünschenswert, Menschen nordischer Herkunft bevorzugt einzubürgern (Belgier, Luxemburger, Schweizer, Niederländer, Dänen, Deutsche etc.). Man kann einen Anteil von 50 Prozent für sie in Aussicht nehmen.«

Charles de Gaulle

Es zeigten sich allerdings auch rasch Grenzen möglicher Einflußnahme. So waren Migrationsbewegungen kaum je vollständig steuerbar, und das generative Verhalten der Menschen entzog sich ebenfalls dem Zugriff. Das hat in verschiedenen westeuropäischen Ländern – vor allem in Frankreich – früh zur Feststellung eines demographischen Niedergangs durch fehlende Kinderzahl geführt, während das Problem in anderen Ländern – etwa in Deutschland – erst verzögert auftrat. Das hatte auch mit den Einflüssen jener Modernisierung des Soziallebens zu tun, die in wachsendem Umfang den familiären Zusammenhalt gefährdete und eine Vorstellung von Selbstverwirklichung förderte, die sich mit dem Gebären und Aufziehen von Kindern immer weniger vereinbaren ließ.

Solange immerhin das Volk als eine maßgebende Einheit betrachtet wurde, stand nicht nur außer Frage, daß der »Volkstod« eine große Gefahr sei, sondern auch daß der Staat die Legitimation besitze, durch politische Maßnahmen die Volkszahl zu erhalten oder zu vergrößern. Diese Auffassung geriet infolge der nationalsozialistischen Be­völ­kerungspolitik unter Druck, in vollständigen Mißkredit allerdings erst wegen der massiven Einflußnahme der politischen Linken seit den 1960er Jahren.

»Wenn ich um mich blicke, sehe ich ein recht morbides Völkchen mit einer ziemlich befremdenden »Kultur«. Da gibt es nicht viel, was ich partout bewahrt und gegen eine »Überfremdung« verteidigt wissen möchte. Nicht ob die Bundesrepublikaner »sich über Wasser halten« können, ist deshalb für mich die Frage, sondern ob sie noch den Willen und den Elan haben, wieder etwas aus sich zu machen.«

Robert Hepp

Wenn seither überhaupt noch über Probleme der demographischen Entwicklung diskutiert wird, dann unter Betonung sachfremder (Wünschbarkeit des Multikulturalismus) oder randständiger (Sicherung der Renten) Aspekte, ohne daß der entscheidende Aspekt, nämlich die Sicherung des Fortbestandes eines Volkes, in den Blick kommen und die Bereitschaft wachsen würde, »politische Demographie« (Robert Hepp) zu treiben.

Literatur

  • Institut für Staatspolitik: »Das hier ist Krieg« – Die Rassenunruhen in Frankreich und die Zukunft der multikulturellen Gesellschaft. Wissenschaftliche Reihe, H. 9, 2005
  • Robert Hepp: Die Endlösung der Deutschen Frage, Tübingen 1988
  • Ilse Schwidetzky: Das Problem des Völkertodes, Stuttgart 1954