Joachim C. Fest

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Fest, Joachim C.,

geb. 8. Dezember 1926 Berlin-Karlshorst,
gest. 11. September 2006 Kronberg im Taunus.
Joachim Fest, 2004

Fest besuchte zunächst die Volksschule, dann das Leibniz-Gymnasium in Berlin und schließlich das Friedrich-Gymnasium in Freiburg im Breisgau. Schon seine Kindheit wurde zwangsweise politisiert, als im April 1933 die Entlassung seines Vaters, dem er mit seinem 2006 erschienenen Buch Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend ein literarisches Denkmal errichtete, aus dem Beamtendienst erfolgte. Diese neue Situation bedeutete nicht nur finanzielle Einbußen für die katholische, preußisch geprägte Familie, sondern auch den Verlust von sozialem Status.

Nach Kriegsdienst und amerikanischer Gefangenschaft studierte Fest in Freiburg, Frankfurt am Main und Berlin Jura, Geschichte, Soziologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Die Pläne für eine Dissertation in Kunstgeschichte zerschlugen sich, da Fest sehr früh und nach eigenen Angaben auch finanziell äußerst erfolgreich journalistisch reüssierte. Als Redakteur für politische und zeitgeschichtliche Fragen arbeitete er schließlich für den RIAS-Berlin. Eine Zeitlang leitete er die Junge Union in Berlin-Neukölln und war auch CDU-Abgeordneter in der dortigen Bezirksversammlung.

»Der Konservative geht von einigen für ihn unbezweifelbaren Prämissen aus: daß die Welt unvollkommen, der Mensch schwach und das Böse eine Macht ist; daß alle Geschichte nur ein Treiben in immer anderen Kostümen ist; daß alle innerweltlichen Verheißungen an einem irrigen Menschenbild kranken. Er will das Bewährte festhalten, ohne sich der Zukunft zu verschließen, ist aber nicht bereit, jeden Preis dafür zu zahlen.«

Im Jahr 1963 erschien sein erstes Buch, mit dem Titel Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft. Es wird bis zum heutigen Tage immer wieder aufgelegt. Kritiker lobten die Meisterschaft der Darstellung in Verbindung mit einem kühlen und distanzierten Blick auf das Geschehen während der NS-Herrschaft: Es finde sich keine Spur von moralischem Eiferertum in dem Buch.

Fest machte nicht nur als politischer Schriftsteller, sondern auch als Journalist schnell Karriere. 1961 war er als Chefdramaturg und stellvertretender Hauptabteilungsleiter zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg gekommen. Seit 1963 amtierte er als Chefredakteur und Hauptabteilungsleiter Zeitgeschehen des NDR. Als Nachfolger des Linkskatholiken Eugen Kogon, dessen Werk Der SS-Staat er schätzte, übernahm er für kurze Zeit die Leitung der Sendung »Panorama«, die für Zündstoff und Kontroversen sorgte. Ab März 1968 wurde Fest für mehrere Jahre von seinem Posten beim NDR beurlaubt, um seine große Hitler-Biographie schreiben zu können. In dieser Zeit entstanden mehrere (finanziell sehr lukrative) große Spiegel-Essays aus der Feder Fests, der damals sicher noch nicht als Konservativer gelten konnte.

1973 erschien schließlich seine Hitler- Biographie, bis heute ein Standardwerk – weniger der Faktensicherheit wegen als der Durchdringung des Stoffs und des meisterhaften Stils des Autors. In seiner Zeit als Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (1973–1993) erschienen nur wenige Buchveröffentlichungen. Fest zeigte sich zusehends als melancholischer Konservativer mit einer Vorliebe für die italienische Renaissance, der als Vertreter der skeptischen Generation vor einem romantischen Rückfall der Deutschen (z. B. durch die »68er«) warnte. In seinen späteren Werken zog er gegen utopische Heilsversprechen zu Felde und legte Bücher über die Brüder Mann, Albert Speer und seine zahlreichen prominenten Weggefährten vor. Er kam auch immer wieder auf das »Dritte Reich« zurück, das er eigentlich für ein »Gossenthema« hielt. Als Historiker grenzte sich Fest, der gegen den »Kult des Bruchstücks« bei seinen Zunftkollegen polemisierte, von den Vertretern der Sozial- und Strukturgeschichte ab.

Schriften

  • Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft, München 1963.
  • Hitler. Eine Biographie, Frankfurt a. M. 1973.
  • Die schwierige Freiheit. Über die offene Flanke der offenen Gesellschaft, Berlin 1993.
  • Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994.
  • Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend, Reinbek bei Hamburg 2006.

Literatur

  • Karl Dietrich Bracher: Von Geschichte umgeben. Joachim Fest zum Sechzigsten, Berlin 1986.
  • Ansgar Lange: Der Bürger auf der Galeere. Zum Tod von Joachim Fest, in: Die Politische Meinung (10/2006), Nr. 443.
Der Artikel wurde von Ansgar Lange verfaßt.