Die Zukunft des Krieges

Aus Staatspolitisches Handbuch im Netz
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Die Zukunft des Krieges (engl. The transformation of war, New York 1991).
Martin van Creveld, München: Gerling-Akademie-Verlag 1998.

Martin van Creveld spielte eine wichtige Rolle beim militärischen Paradigmenwechsel westlicher Streitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges. Der aufgrund seiner streitbaren Persönlichkeit inzwischen von vielen gemiedene israelische Militärhistoriker hat mit seinem 1991 zuerst auf Englisch erschienen Buch Die Zukunft des Krieges einen wichtigen Beitrag zum Umdenken geleistet. Spätestens nach diesem Werk war er ein gern gesehener Gastredner bei fast jeder militärischen oder sicherheitspolitischen Einrichtung des Westens. Van Creveld ergänzt darin Clausewitz, indem er neben dessen dreiseitigem Kriegsmodell das Phänomen der nichtstaatlichen Akteure anspricht. Dabei kritisiert er, daß die Clausewitzsche Vorstellung von Krieg zu stark auf den zwischenstaatlichen Konflikt fokussiert und so nur bedingt für Kriegsszenarien anwendbar ist, an denen »substaatliche« Kriegsparteien teilnehmen.

Er spricht dabei fünf wichtige Fragen zum Verständnis von Krieg an: 1. Wer sind die kriegführenden Parteien? Sind es Staaten oder nichtstaatliche Akteure? 2. Um was geht es und wie stellen sich die Beziehungen zwischen den Akteuren und zwischen diesen und den Nichtkombattanten dar? 3. Wie wird der Krieg geführt, mit welcher Strategie und Taktik? 4. Wofür wird gekämpft? Werden nationalstaatliche Ziele verfolgt oder wird Krieg um des Krieges willen geführt? 5. Warum wird Krieg geführt? Welche Motivation treibt die einzelnen Kombattanten an?

»Das Wesen des Krieges ist Kampf … Zum Kampf gehören zwei. Er beginnt nicht dann, wenn einige Menschen andern das Leben nehmen, sondern dort, wo sie ihr eigenes riskieren.«

Im Zeitalter diverser ethnischer Konflikte und einem sicherheitspolitisch plump agierenden Westen erhofften sich viele von van Creveld Antworten auf die neuen Herausforderungen. Allerdings stießen die von ihm gebotenen Antworten auf starke, wenn nicht militärische dann zumindest politische Kritik und führten dazu, daß er zusehends marginalisiert wurde. Seine Werke zu Frauen und Krieg (2001) oder Aufstieg und Untergang des Staates (1999) stellten in einem realpolitischen Ton viele liebgewonnene Annahmen in Frage. Daraus erfolgte eine gewisse Ächtung des streitbaren Historikers, der sich auch zu den sicherheitspolitischen Folgen von Illusionen, beispielsweise Über die Folgen von Migration, stets offen äußerte. Van Creveld kritisierte die Entscheidung, gegen den Irak Krieg zu führen aufs schärfste und setzt sich von vielen seiner Landsleute ab, indem er den iranischen Erwerb von Atomwaffen als unproblematisch betrachtet.

nden, teilt seine Leserschaft in zwei klare Lager. Während Die Zukunft des Krieges im positiven Sinne als radikalste Neuin terpretation von Krieg seit Clausewitz beschrieben wurde, widmen sich seine Kritiker vielmehr seiner teils polemischen Absage an Frauen in Kampfeinheiten und der »Feminisierung« der Streitkräfte. Unter Soldaten sind und bleiben seine Bücher und Vorträge gefragt, während unter Wehrbeamten, Sozialwissenschaftlern, Frauenbeauftragten und Ministerialbeamten starke Vorbehalte herrschen – obgleich eine inhaltliche Widerlegung seiner Thesen, daß z. B. Streitkräfte durch die wachsende Anzahl von Soldatinnen an Wert verlieren, bislang nicht geleistet wurde.

Ausgabe

  • 3., überarbeitete deutsche Ausgabe, Hamburg: Murmann 2004.

Literatur

  • Klaus Hammel: Martin van Creveld, in: Sezession (2003), Heft 1.
Der Artikel wurde von Wiggo Mann verfaßt.