Die Holocaust-Industrie

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Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird (engl. The Holocaust Industry. Reflections on the Exploitation of jewish Suffering, London 2000),
Norman G. Finkelstein, München: Piper 2001.
Norman G. Finkelstein, 2005

Bei der Debatte um Daniel Goldhagens Buch Hitlers willige Vollstrecker (1996) trat Norman Finkelstein erstmals in Deutschland in Erscheinung, als er Goldhagen zahlreiche Fehler und mutwillige Fälschungen nachweisen konnte. In dieser Zeit begann in den Vereinigten Staaten eine Diskussion über die Frage nach jüdischen Vermögenswerten in Schweizer Banktresoren, die dort seit dem Zweiten Weltkrieg lagerten und seitdem systematisch unterschlagen worden sein sollten. Daraus erwuchs in wenigen Jahren eine Kampagne gegen die Schweiz, die schließlich mit einer Zahlung von 1,25 Milliarden Dollar an jüdische Organisationen endete. Das nahm Finkelstein zum Anlaß für eine Generalabrechnung mit der von ihm als »Holocaust-Industrie« bezeichneten jüdischen Lobby in den Vereinigten Staaten.

Finkelstein, der seine moralische Position und intellektuelle Freiheit aus seiner Abstammung von Holocaustüberlebenden ableitet, beginnt sein Buch mit einer Untersuchung des Phänomens, daß der Holocaust bis in die sechziger Jahre keine Rolle gespielt hat und erst im Zuge der Neuausrichtung der amerikanischen Israelpolitik öffentlich behandelt wurde. Dabei trifft Finkelstein die Unterscheidung zwischen dem »Holocaust« als dem, was aus der Judenverfolgung im nachhinein politisch gemacht wurde und den eigentlichen historischen Ereignissen. In seinem Buch geht es nur um ersteres. Finkelstein datiert das Umdenken in bezug auf den Holocaust auf das Jahr 1967, den arabisch-israelischen Junikrieg, als die Vereinigten Staaten die strategische Wichtigkeit Israels in der Region erkannt hatten. Finkelstein geht noch weiter und sieht im Eichmann-Prozeß (1961) eine Art Testlauf für die politische Verwertbarkeit des Holocaust, die dann von den jüdischen Eliten der Vereinigten Staaten umgesetzt worden sei. In diesem Konzept spielt die Behauptung, der Holocaust sei einzigartig und rational nicht begreifbar, eine große Rolle. Finkelstein weist eine solche Sicht zurück und sieht in dieser religiösen Überzeugung die Ursache für zahlreiche gefälschte Erinnerungsbücher von angeblichen Holocaustüberlebenden, die unabhängig von ihrer Fiktionalität für bare Münze genommen werden. Daraus hat sich, so Finkelstein, eine ganze Industrie entwickelt, die allein in den Vereinigten Staaten über mehr als hundert Institutionen verfügt. Diese nutzt ihre Macht zunehmend aus, um Entschädigungszahlungen zu erpressen – oftmals mit falschen Zahlen, wenn möglich auch mehrfach und selten zugunsten der Betroffenen, sondern allgemein jüdischer Anliegen, so daß diese Organisationen über ein riesiges Vermögen verfügen. Im Fall der Schweiz, den Finkelstein ausführlich schildert, hatte dieses Vorgehen durchschlagenden Erfolg, so daß eine wesentlich über dem Wert der Einlagen liegende Summe gezahlt wurde.

Finkelstein erinnert auch daran, daß die Entschädigungen für die Juden der einzige Fall sind, bei dem es für erlittenes Unrecht mehr als Worte der Entschuldigung gibt. Indem sie die jüdische Sache zu ihrer eigenen machen, wollen die Vereinigten Staaten, so Finkelstein, auch von ihrer eigenen Geschichte ablenken.

»Ich glaube, daß ab einem bestimmten Punkt die deutsche Betonung der Einzigartigkeit des Holocaust eine umgekehrte Form von Chauvinismus wird, ungefähr von der Art: Wir haben die schlimmsten Verbrechen begangen.«

Gegen das Buch gab es noch vor der Veröffentlichung Proteste jüdischer Organisationen, die das Erscheinen verhindern wollten. Schließlich drückte Michael Naumann, damals Chef der Verlagsgruppe, in der das Buch erscheinen sollte, die Veröffentlichung durch. Wenig später erschien, wiederum von Protesten begleitet, die deutsche Übersetzung, die rasch die Bestsellerlisten eroberte. Den Vorwurf, er mache sich zum Erfüllungsgehilfen der Holocaustleugner, wies Finkelstein als absurd zurück.

Ausgabe

  • Taschenbuchausgabe, München: Piper 2009.

Literatur

  • Institut für Staatspolitik (Hrsg.): »Meine Ehre heißt Reue«. Der Schuldstolz der Deutschen, Schnellroda ²2009.
  • Petra Steinberger (Hrsg.): Die Finkelstein-Debatte, München 2001.
Der Artikel wurde von Erik Lehnert verfaßt.