Der wahre Staat

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Der wahre Staat. Vorlesungen über Abbruch und Neubau der Gesellschaft, gehalten im Sommersemester 1920 an der Universität Wien,
Othmar Spann, Leipzig: Quelle & Meyer 1921.

Es gab innerhalb der Konservativen Revolution nur wenige Bücher, die eine derartige Wirkkraft entfalten konnten wie Der wahre Staat des österreichischen Volkswirtschaftlers Othmar Spann. In der durch Klassenkampf und ideologische Zerrissenheit gekennzeichneten Nachkriegszeit fiel gerade Spanns universalistischer Ansatz als Appell an Ordnung und Stabilität auf fruchtbaren Boden. Spanns Lehre, die ausgehend von Aristoteles die »Welt als Ganzes« begreifbar machen wollte, ist von der Vorstellung durchdrungen, daß die Gemeinschaft immer den Vorrang vor dem Einzelindividuum haben muß.

Im Wahren Staat macht der Autor deutlich, was er sich unter einem idealen Staatswesen vorstellt: Die Gesellschaft sollte einen ständischen Aufbau und eine pyramidenartige Form haben. Er befürwortet eine Konzentration der »Besten « an der Staatsspitze und geht von einer »natürlichen« Abnahme der »Qualität « in Richtung des Pyramidensockels aus. Im organischen Miteinander der verschiedenen Stände, die in ihrer Gesamtheit den Staat repräsentieren, sieht Spann die Möglichkeit der Überwindung der Klassengegensätze. Damit reformulierte Spann eine der staatsreformerischen Grundideen des Abendlandes, die seit Platon zum Kanon der politischen Philosophie gehört, für seine Zeit.

»Wir erkennen in seinem Herzpunkt, der Selbstgenügsamkeit, den Individualismus als einen Grundirrtum. Der Individualismus macht den Einzelnen zuletzt einsam und arm.«

Nicht umsonst bezeichnete Armin Mohler Spann als »Lehrer und Redner der Konservativen Revolution«. Seine Ganzheitslehre fand nicht nur in Österreich, sondern auch im Deutschen Reich Anhänger. Prominente Beispiele hierfür sind Edgar Julius Jung, dessen Hauptwerk (Die Herrschaft der Minderwertigen, 1927) universalistische Elemente verarbeitete, und der Nationalrevolutionär Ernst Niekisch, der in seinem Widerstandsverlag Texte Spanns publizierte.

Ausgabe

  • 4., mit Zusätzen versehene Auflage, Jena: Fischer 1938.

Literatur

  • Sebastian Maaß: Dritter und wahrer Staat. Othmar Spann – Ideengeber der Konservativen Revolution, Kiel 2010.
  • Martin Schneller: Zwischen Romantik und Faschismus. Der Beitrag Othmar Spanns zum Konservatismus in der Weimarer Republik, Stuttgart 1970.
Der Artikel wurde von Sebastian Maaß verfaßt.