Berlin – Berliner Mauer

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Die Errichtung der Berliner Mauer am Brandenburger Tor im November 1961

Die Berliner Mauer war Teil der innerdeutschen Grenze, die Deutschland infolge der militärischen Niederlage der Wehrmacht seit 1945 zuerst in vier Besatzungszonen, später in zwei Staaten teilte. Für Berlin war ein Sonderstatus vereinbart, der die Stadt in vier militärische Verwaltungssektoren teilte. Beschlossen wurde die Aufteilung allerdings bereits Ende 1944 in zwei sogenannten Zonenprotokollen.

Die politische und ökonomische Sowjetisierung sowie die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) ließen bereits in den ersten Nachkriegsjahren Millionen Menschen in die drei Westzonen fliehen. In Berlin wurden erstmals im Juni 1946 die Übergänge der SBZ zu den Westsektoren für vier Monate geschlossen. Um den Exodus zu stoppen und die Zonengrenzen zu überwachen, entstand im selben Jahr in der SBZ eine »deutsche Grenzpolizei«.

1948 wurde auf Weisung der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) eine Polizeiformation »Ring um Berlin« gebildet, durch die um die gesamte Stadt herum Kontrollen durchgeführt wurden, was vor allem die Abwanderung aus dem sowjetischen Einflußbereich verhindern sollte.

Zum endgültigen Bruch zwischen den Alliierten kam es im Juni 1948. Als Reaktion auf die in den Westzonen durchgeführte Währungsreform sperrten die Sowjets sämtliche Zugangswege nach West-Berlin, so daß die Versorgung über die »Luftbrücke« sichergestellt werden mußte. Als mit dem Deutschlandvertrag vom 26. Mai 1952 offiziell die Besatzungsherrschaft der drei Westalliierten endete, befahl die sowjetische Besatzungsmacht die umgehende Schließung der innerdeutschen Grenze seitens der SBZ/DDR. Auf einer Länge von 1393 Kilometern zog sich die Demarkationslinie durch Deutschland und um den westalliierten Teil Berlins.

Das DDR-Paßgesetz von 1954 stellte die sogenannte Republikflucht unter Strafe. Das Strafmaß umfaßte eine Haftstrafe (→ Bautzen – Gefängnis) von bis zu drei Jahren. Im Jahr 1957 erfolgte eine weitere Verschärfung der Bestimmungen, wodurch bereits die Vorbereitung oder der Versuch der Republikflucht strafbar wurden. Dennoch stieg die Zahl der Flüchtlinge weiter, und die meisten von ihnen suchten ihren Weg über die weiterhin offenen Sektorengrenzen in Berlin.

»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!« erklärte Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz. Doch vom 3. bis 5. August 1961 fand in Moskau eine Konferenz der Parteiführer der Warschauer-Pakt-Staaten statt. Das Politbüro der SED unter Ulbricht erhielt hier die

Vorgaben zur Grenzabriegelung. Das Ziel war die Stabilisierung der DDR. Der Haupteinsatzstab stand unter Leitung des ZK-Sekretärs Erich Honecker, der die Grenzschließung koordinierte.

Am Sonntag, den 13. August begann um ein Uhr nachts die systematische Abriegelung der Grenze um West-Berlin. Mitglieder der sogenannten Volks- und Grenzpolizei sowie Angehörige von Betriebskampfgruppen der DDR blockierten die 81 Straßenübergänge und besetzten die Zonengrenzbahnhöfe. Der Nahverkehr zwischen den beiden Stadthälften wurde dauerhaft unterbrochen. Lediglich der Bahnhof Friedrichstraße blieb als Umsteigebahnhof für den Intersektorenverkehr nutzbar.

In der Nacht vom 17. auf den 18. August begannen Bautrupps die Stacheldrahtsperren durch eine Mauer aus Hohlblocksteinen und Betonplatten zu ersetzen. Im September und Oktober wurden unmittelbar an der Grenze gelegene Häuser zwangsgeräumt und mehr als 2 000 Bewohner aus ihren Wohnungen vertrieben. Im Ergebnis entstand eine Grenze mit 63 Kilometern bebautem, 32 Kilometern bewaldetem und 22 Kilometern offenem Gelände sowie 37 Kilometern Wassergrenze.

Entlang der Grenze entstand auf knapp 42 Kilometern die sogenannte Grenzmauer 75, weitere 59 Kilometer bestanden aus der Mauer der dritten Generation in Plattenbauweise, und 68 Kilometer wurden durch Streckmetallzaun begrenzt. Ein 15 bis 150 Meter breiter »Todesstreifen« wurde angelegt. In kurzer Entfernung von einer Hinterlandsmauer folgte ein Signalzaun mit mehreren unter elektrischer Spannung stehenden Drähten, an denen bei Berührung Alarm ausgelöst wurde. Es folgten Abschnitte mit Erdbunkern, Beobachtungstürmen und Hundelaufanlagen, ein lichttrassengesäumter Kolonnenweg, ein geharkter Sandstreifen und ein KfZ-Sperrgraben vor der weißgestrichenen Grenzmauer. Auf der Mauerkrone lag eine Rohrauflage, die das Überklettern verhindern sollte.

Am 15. August 1961 war der 19jährige Grenzpolizist Conrad Schumann über den Stacheldraht in den Westen geflüchtet. Er war der erste von über 2500 Grenzsoldaten, die sich durch eine Flucht in den Westen dem Grenzdienst entzogen.

Am 24. August 1961 versuchte der 24jährige Günter Litfin über die nahe der Charité gelegene S-Bahntrasse nach West-Berlin zu flüchten. Er wurde dabei von Grenzpolizisten erschossen und damit das erste Todesopfer von allein an der Berliner Mauer 136 Menschen, die zumeist durch den Einsatz von Schußwaffen zu Tode kamen.

Überall wurde nach Schlupflöchern in der Mauer gesucht. Im Interzonenzug fuhren Flüchtlinge als getarnte Ausländer, Autos wurden umgebaut, Menschen in Koffern versteckt, Diplomaten als Fluchthelfer gewonnen, Ballons gebaut und Fluchttunnel unter den Grenzanlagen gegraben.

Trotz der tödlichen Bedrohung und vieler gescheiterter Fluchtversuche gelang es in den 28 Jahren der Teilung Deutschlands 40.101 Menschen, aus der DDR in den Westen zu fliehen. 5.075 der Flüchtlinge überwanden die Sperranlagen in Berlin.

Ende der 1980er Jahre geriet die DDR durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, oppositionelle Gruppen und den Reformkurs der Sowjetunion zunehmend unter Druck.

Um dem enormen Flüchtlingsstrom Herr zu werden, wurde eine neue Reiseverordnung entworfen. Am 9. November 1989 gab das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer internationalen Pressekonferenz die neuen Regelungen bekannt, wonach DDR-Bürgern ohne Vorliegen von Gründen die Ausreise aus der DDR ermöglicht werden sollte. Auf die Frage eines Journalisten, ab wann diese Regelung gelte, war Schabowski nicht vorbereitet und antwortete: »Sofort, unverzüglich.« Als wenig später westliche Nachrichten meldeten, die Mauer sei offen, strömten Zehntausende Berliner an die Grenze und überquerten diese erstmals von Ost nach West und von West nach Ost.

Heute ist die Berliner Mauer, deren Reste als Eastside Gallery zu besichtigen sind und deren Verlauf durch eine Doppelreihe von Pflastersteinen nachvollzogen werden kann, ein Symbol für die staatliche Teilung der deutschen Nation im 20. Jahrhundert. Auf der ganzen Welt stehen Mauerteile, die an die glückliche Fügung der Wiedervereinigung erinnern.

Literatur

  • Gabriele Camphausen/Maria Nooke: Die Berliner Mauer. Ausstellungskatalog, Dokumentationszentrum Berliner Mauer, Dresden 2002.
  • Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (Hrsg.): Die Berliner Mauer. Vom Sperrwall zum Denkmal, Bonn 2009.
  • Kai Diekmann: Die Mauer. Fakten, Bilder, Schicksale, München 2011.
Der Artikel wurde von Arvid Jakobson verfaßt.